Saar Gansner: Nominiert für den LvdG Talent Award

Dank der Unverträglichkeiten kann ich Menschen in meine unternehmerische Geschichte einbeziehen.

Die 26-jährige Saar Gansner ist für den Talent Award nominiert worden. Sie hat es geschafft, ihre 2018 bekannt gewordenen Lebensmittelunverträglichkeiten gegen Fruktose und Laktose in ihrer Arbeit umzusetzen. Unter anderem entwickelte sie auch Broodbier für die Kloosterbrouwerij Steyl, die sie mit ihrem Vater Paul betreibt.

Das Studium der Inhaltsstoffe von Lebensmitteln auf den Verpackungen empfand sie in ihrer jungen Karriere zunehmend als Herausforderung. "Mein Körper verträgt nicht alles. Anstatt mich zu ärgern, habe ich immer mehr umgedreht, indem ich von dem ausgegangen bin, was ich vertragen kann." Nach der Venlo Lecture 2024, bei der es um faire und nachhaltige Lebensmittel ging, kommt nun also diese ehrenvolle Nominierung. "Offensichtlich sticht das, was wir tun, heraus, wir betrachten es als eine schöne Anerkennung", sagt er.

Produktentwicklung
Diese persönliche Herausforderung brachte sie dazu, Food Innovation an der HAS in Venlo zu studieren. "Eigentlich ist das ein Paradebeispiel für ein Umdenken. Ich habe es geschafft, meine Schwäche in eine Stärke umzuwandeln und wurde mir sowohl der Grenzen als auch der Möglichkeiten meines Körpers immer bewusster." Während des Studiums war sie unter anderem in den Bereichen Produktentwicklung, Verpackung und Marketing tätig. "In dieser Zeit habe ich ein Praktikum und später einen Nebenjob bei IJsco Fantastico gemacht und eine vegane Bonbonlinie entwickelt. In dieser Zeit lernte ich Leidensgenossen kennen, die ich nach der Markteinführung mit einem Produkt glücklich machen konnte, das normalerweise nicht für sie geeignet ist. Das hat mich sehr befriedigt und mich ermutigt, neue Lebensmittelkonzepte zu entwickeln."

In der Schule lernt man viel, aber wenn man anfängt zu arbeiten, beginnt das wirkliche Lernen.

Besondere Lage
Eine Brauerei mit Verkostungsraum, die erst im Frühjahr 2025 an den Start gehen wird, aber schon jetzt zu bestimmten Zeiten ihre Türen öffnet. Wer den Standort im Klostergarten betritt, taucht in eine völlig andere Welt ein. "Wer einmal hier war, will automatisch wiederkommen. Es ist allerdings ein ruhiger Ort. Gemütlichkeit ist wichtig, aber mit Respekt vor der Geschichte".

Perfekte Kombination
Paul Gansner ist Lebensmitteltechnologe mit einer Vorliebe für das Brauen von Bierspezialitäten. "Dank seiner Leidenschaft hat die Flamme auch in mir gebrannt, vor allem als er Steyl als Standort gewählt hat. Es ist eine perfekte Kombination: Mein Vater kümmert sich um die technische Seite. Ich kümmere mich mehr um die sozialen Medien, die Entwicklung von Bieretiketten und andere Marketingangelegenheiten. In naher Zukunft werde ich mich auch auf die Entwicklung neuer Speise- und Getränkekonzepte sowie auf eine Getränke- und Mittagskarte mit reinen, lokalen Produkten konzentrieren, die Möglichkeiten für Kooperationen in der Region bieten. Nach der offiziellen Eröffnung werde ich die Rolle des Geschäftsführers übernehmen". Über das selbst entwickelte Broodbier sagt sie: "Dieses Konzept nutzt die Tatsache, dass Brot eines der am meisten verschwendeten Lebensmittel in den Niederlanden ist. Unser Nachbar im Produktionsbereich ist Bäcker. Nach dem Bierbrauen bleibt bei ihm Biertreber übrig, ein protein- und energiereiches Nebenprodukt, das er in sein Brot einarbeitet. Wir verarbeiten seine Brotreste wiederum in unserem Bier, als teilweisen Gerstenersatz. So schließt sich der Kreis."

Geschichte von Steyl
Das Klosterdorf Steyl strahlt eine Ruhe aus, wie sie sonst kaum zu finden ist. Der Garten des Vaters ist traditionell ein Selbstversorgergebiet und hat eine reiche Geschichte mit vielen Handwerksbetrieben wie Bäckerei, Imkerei, Kräutergarten und Keramik. "Als Kind war es eine Freude für mich, hierher zu kommen. Jetzt baue ich hier zusammen mit meinem Vater selbst ein Catering-Unternehmen auf. Die handwerkliche Entwicklung des eigenen Produkts reizt mich besonders. In Zukunft werden wir auf jeden Fall mehr Produkte aus dem Klostergarten in unsere Biere einbauen und in unserem Verkostungsraum verkaufen. In der Schule lernt man viel, aber wenn man anfängt zu arbeiten, beginnt das eigentliche Lernen über Unternehmertum und Lebensmittel. Für Inspirationen und Trends schaue ich mir verschiedene Social-Media-Kanäle an. Außerdem besuche ich gerne andere innovative, authentische und inspirierende Gastronomiebetriebe."

Gemeinsam mit ihrem Vater ein Unternehmen zu gründen, ist für Saar Gansner Gold wert. "Wir kennen uns durch und durch. Es ist wirklich etwas ganz Besonderes, das miteinander teilen zu können. Wir sehen viele langfristige Chancen und sind vom Erfolg unseres Konzepts überzeugt. Wir freuen uns darauf, einen einzigartigen Ort im Grünen zu schaffen, an dem sich Jung und Alt, mit und ohne Unverträglichkeiten, willkommen fühlen."

www.kloosterbrouwerijsteyl.nl 

Text: Rob Buchholz - Fotografie: Bram Becks

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