Rob Ewalds: Nominiert für den LvdG-Unternehmerpreis

Ein Unternehmer ist ein Querdenker".

Die Nominierung für den Lodewijk van der Grinten-Preis (LvdG) hat Rob Ewalds überrascht. Als Direktor und Inhaber von Gaston Schul, einem Spezialisten für Zollabfertigung und internationalen Handel, steht er relativ wenig im Rampenlicht. Und das stört den 53-jährigen Belfeldener nicht im Geringsten. 

Dennoch ist er überrascht von der enormen Wirkung des Preises. Wie die Tatsache, dass die Nominierung lange Zeit geheim bleiben musste. "Ich glaube, es ist das größte Geheimnis der Stadt Venlo nach der Wahl des Karnevalsprinzen", sagt er lachend. "Ich weiß, dass es sich um einen Unternehmerpreis handelt und nicht um einen Wirtschaftspreis. Aber für mich geht es immer um das Unternehmen, nicht um mich. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass ich mich durch diese Nominierung sehr geehrt fühle."

Gaston Schul
Nach seinem Studium der Wirtschaftswissenschaften an der Universität Amsterdam (UvA) kehrte Ewalds nach Venlo zurück. Er begann bei der in Venlo ansässigen Speditionsfirma Jacob Meijer. "Meinem Vater gehörte Jacob Meijer, ein Unternehmen, das sich hauptsächlich mit der Bearbeitung und Verwaltung von Zolldokumenten befasste", erzählt er. Eines Tages meldete sich ein Berater und bot das Unternehmen Gaston Schul zum Kauf an. "Vielleicht hatte ich während des Studiums eine Vorahnung von meiner Zukunft, denn ich hatte einen Abschluss in Logistikmanagement und Management Accounting. Die Chance, auf eigenen Beinen zu stehen, habe ich nur zu gerne genutzt", sagt Ewalds.

Mein Unternehmen hat sich von einer Dokumentenfabrik zu einem Full-Service-Zolldienstleister entwickelt.

Millionenkredit
Ewalds senior riet seinem Sohn, das Unternehmen zu kaufen, ließ dabei aber gleich wissen, dass er selbst nicht mehr beteiligt sein würde. "Also musste ich nach Geld suchen. Das gelang. Am 1. Oktober 1999 habe ich Gaston Schul übernommen. Anderthalb Jahre später entledigte sich mein Vater von Jacob Meijer. Fünfzig Prozent der Anteile für mich, die andere Hälfte für meine Schwester. Sechs Jahre später übernahm ich ihren Anteil, integrierte beide Unternehmen und wählte den Namen Gaston Schul." Über das Millionendarlehen sagt Ewalds: "Es spukte mir im Kopf herum: Was mache ich eigentlich? Es war ein ziemliches Risiko. Aber nach ein paar Monaten juckte es mich wieder und ich dachte: Was kommt als nächstes?" Es folgten fünfzehn weitere Übernahmen in seiner Laufbahn, von klein bis groß, alle aus eigener Kraft und selbstfinanziert."

Venlo als logistische Drehscheibe
Ewalds beschreibt sein Unternehmen als ein spezialisiertes Verwaltungsbüro. "Eigentlich sind wir Steuerberater. Wir sind ein kommerzielles Unternehmen, das eine elektronisch korrekte Zollanmeldung auf der Grundlage der von unserem Kunden bereitgestellten Daten erstellt. Der Zoll prüft dann seinerseits unsere Arbeit. Er ist eine Vollzugsorganisation, die prüft, ob die Anmeldung und die Daten korrekt sind. Tatsächlich hat sich mein Unternehmen von einer Dokumentenfabrik zu einem Full-Service-Zolldienstleister entwickelt. Wir haben auch zunehmend eine beratende Funktion gegenüber unseren Kunden. Und das alles geschieht unter anderem ganz einfach von seiner Heimatstadt Venlo aus. Einer der wichtigsten Logistikknotenpunkte in unserem Land. "Das ist das logistische Herz von Europa. Zumindest eines der wichtigsten. Venlo verfügt über hervorragende Straßen-, Wasser- und auch Schienenverbindungen sowie über eine gute Anbindung an die Seehäfen. Außerdem gibt es ein riesiges Hinterland. Das bietet Unternehmern eine Vielzahl von Möglichkeiten."

Umdenken und Herausforderungen
Chancen, die Ewalds eigentlich immer sieht. Das Konzept des Umdenkens ist ihm also alles andere als fremd. Ein Unternehmer ist ein Omdenker", lautet seine Philosophie. "Ein berühmter Amsterdamer sagte einmal: 'Jeder Nachteil hat seinen Vorteil'. Vergleichen Sie meine Aussage damit. Unternehmer verwandeln Herausforderungen oft in Chancen. Unternehmertum ist eine Form des Spitzensports. Sehen Sie sich die Herausforderungen an, mit denen wir heute konfrontiert sind: Geopolitische Entwicklungen, die rasanten Veränderungen im Internet und der Digitalisierung sowie die enorme Konsolidierung (durch Übernahmen) auf dem Zollmarkt."

Als die Grenzen 1993 verschwanden, dachten viele, die Arbeit des Zolls sei erledigt. "Das war sie aber nicht. Anno 2024 schaffen Herausforderungen wieder neue Chancen. Der Brexit zum Beispiel hat einen Markt verschlossen. Aber für uns hat das tatsächlich zusätzliche Arbeit geschaffen. Wir beschäftigen auch selbst mehrere Entwickler. So stellen wir sicher, dass nicht irgendein KI- oder Internetspezialist auf dem Dachboden ein neues System auf Kosten unserer Arbeit entwickelt. Man muss mit der Entwicklung Schritt halten, sonst ist man zu spät dran. Wir sehen Bedrohungen als Chancen. Der globale Handel wird weitergehen und der Markt wird immer Spezialisten brauchen. Ich sage immer: "Think customs, think Gaston Schul!"

www.gaston-schul.com/nl

Text: Rob Buchholz - Fotografie: Bram Becks

Suche